Swiss Wealth View: Corona Crash – Stunde null

Schön, dass Sie zum Kreis unserer Leser gehören. Fast wäre ich geneigt, das heutige Briefing in ein «Corona-Briefing» umzubenennen. Aber die Ausbreitung der Krankheit in Europa und die Folgen für Wirtschaft und Konjunktur sind ein Schwerpunkt dieses Newsletters.

Trotz der neuen Fälle sieht das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland kein breites Krankheitsgeschehen. Insgesamt bleibe es bei der Einschätzung, dass das Risiko gering bis mäßig sei, sagte der RKI-Vizedirektor Prof. Dr. Lars Schaade letzte Woche auf einer Pressekonferenz. Die meisten Sars-CoV-2-Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder auch gar keine Symptome. Lediglich 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom RKI. Dennoch herrscht eine ziemliche Ungewissheit.

Bei aller Relativierung der Gefährlichkeit der Krankheit: Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht ohne. Insbesondere die exportorientierte deutsche Wirtschaft werde durch die Unterbrechung von internationalen Lieferketten besonders schlimm getroffen, so etwa Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland bei der Bundesbank. Es sei wahrscheinlich, dass die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen schrumpft. In ihrem Hauptszenario erwartet die Zentralbank, dass die Zahl der Coronavirus-Infizierten weltweit auf drei Millionen steigt und 30.000 Menschen sterben. Derzeit sind offiziell weltweit fast 84.000 Menschen infiziert, von denen aber über 36.500 bereits als geheilt gelten. 2.867 Menschen sind verstorben.

Die Bundesbank sieht in der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ein zusätzliches Risiko für die abgeschwächte deutsche Konjunktur. «Nach den derzeitigen Informationen erwarte ich, dass dieses Risiko sich zum Teil auch materialisieren dürfte», sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Wie gross dieser Effekt sein könnte, lasse sich derzeit aber kaum seriös abschätzen. «Insgesamt könnte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr in Deutschland etwas geringer ausfallen, als unsere Experten im Dezember vorausgeschätzt haben», so Weidmann.

An den Börsen herrscht ebenfalls grosse Verunsicherung über die Auswirkungen. Sicherheitshalber stösst man Aktien ab. Alle grossen Indizes rutschen erneut deutlich ab – DAX -10.25%, EuroStoxx 50 -11.25 und Dow Jones -12.19% für 2020. Unsere Portfolio-Strategien konnten sich dank hoher Liquidität von 20-25% gut behaupten: Wachstumsstrategien sind je nach Währung 3-4% im Minus, ausgewogene Strategien 2,5 bis 3% im Minus und konservative Portfolios liegen mit 1% im Plus. Die Märkte sind nun stark überverkauft, das zeigen die technischen Indikatoren der namhaftesten Indizes.

Aus diesem Grund haben wir begonnen, die Liquidität leicht zu reduzieren mit Engagement in soliden Aktien zukunftsträchtiger Unternehmen. Damit werden wir voraussichtlich in den nächsten Wochen fortfahren mit Ausnahmen deren Kunden, die dies ausdrücklich nicht wünschen. Die Gewinnaussichten von Unternehmen – wie im Jahresausblick 2020 erwähnt – waren zu hoch. Nach der Korrektur sind Aktien und deren Gewinnprognosen eher zu tief. Bei einer Verschärfung der Krise erwarten wir, dass Staaten – wie bereits gefordert – Konjunkturprogramme auflegen und Zentralbanken intervenieren bzw. die Liquidität im Markt erhöhen werden. Anleger sollten langfristig, diversifiziert und nachhaltig investieren und nicht auf kurzfristige Ereignisse beirren lassen – kaufen, wenn die Kanonen donnern. Das half uns in den letzten 17 Jahren überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Selbstverständlich haben wir keine Glaskugel, weitere Korrekturen oder selbst eine Rezession sind nicht auszuschliessen, aber die expansive Geldpolitik, niedrige Zinsen und Innovationen wie Digitalisierung und Bewältigung der Umweltproblemen – gepaart mit moderat bewerteten Unternehmen sprechen weiterhin für Aktienanlagen.

Urs Imber, CEO, Swiss Wealth Protection

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